Das Wichtigste in Kürze
Eine verlängerte Wartung vertagt das Support-Ende, beseitigt aber keine Unsicherheit. Unternehmen schaffen Planungssicherheit durch eigene Entscheidungen. Wer jetzt startet, nutzt eine Architektur, die 2025 noch nicht verfügbar war.
Welche Regeln ab 2027 gelten
Drei Jahreszahlen prägen die Diskussion über das Wartungsende. Jede steht für einen anderen Zustand. Diese Unterschiede verändern die Kalkulation.

31. Dezember 2027: Ende der regulären Wartung
Die von SAP als „Mainstream Maintenance“ bezeichnete reguläre Wartung für SAP ERP 6.0 mit den Enhancement Packages 6, 7 und 8 endet am 31. Dezember 2027. Bis dahin umfasst der Support auch die gesetzlichen Updates. Nur diese der drei Stufen gilt bedingungslos und ohne Zusatzvertrag.
2028 bis 2030: Aufschlag für verlängerte Wartung
Unternehmen können die Wartung für 2028 bis 2030 verlängern. Dafür zahlen sie zwei Prozentpunkte Aufschlag auf die bestehende Wartungsbasis. Das Angebot umfasst ausschließlich die Enhancement Packages 6 bis 8 und setzt einen Abschluss für die vollständige betroffene Landschaft voraus. Einzelne Systeme lassen sich nicht auswählen. Der planbare Aufschub kostet Geld und erfolgt nicht automatisch.
Ab 2031: keine gesetzlichen Updates in der Customer-Specific Maintenance
Anschließend greift die Customer-Specific Maintenance. Unternehmen können das System weiter betreiben, doch gesetzliche Updates entfallen. Die Verantwortung für Compliance liegt dann beim Unternehmen. Es muss jede Änderung im Steuer-, Melde- oder Handelsrecht selbst umsetzen, testen und vertreten. Für regulierte Prozesse markiert dieser Wechsel den entscheidenden Bruch. Eine Verlängerung bis 2033 bietet allein die Option „SAP ERP, Private Edition, Transition Option“. Sie verlangt eine Cloud-Subscription und die HANA-Migration bis Ende 2030. Wer mit 2033 als Puffer rechnet, entscheidet sich deshalb vorab für ein Betriebsmodell.
Eine Folge bleibt in der Kalkulation oft unbeachtet: Die Verlängerung bringt mehr Zeit, schafft jedoch keine Planungssicherheit. Auch nach dem Aufschlag von zwei Prozentpunkten fehlen Entscheidungen zu Zielbild, Architektur und Budget. Lediglich die Frist rückt nach hinten.
Weshalb das Problem bereits besteht
Nicht das Jahr 2030 bildet das eigentliche Problem. Für einen Produktivstart Ende 2030 muss die Planung heute einsetzen. Der Zeitplan entsteht rückwärts vom Zieltermin aus.

Dem Go-Live geht nach unserer Projekterfahrung ein ERP-Projekt von 12 bis 30 Monaten voraus. Seine Dauer richtet sich nach der Zahl der Standorte, Gesellschaften und Schnittstellen. Mehrere Gesellschaften und Standorte führen zum oberen Ende der Spanne. Noch früher folgen in umgekehrter Reihenfolge Vertragsverhandlung und Partnerauswahl, Systementscheidung sowie die Festlegung der angestrebten Gesamt-IT-Architektur.
Ohne Zielbild summiert sich der Aufwand auf drei Jahre oder mehr: zwei bis zweieinhalb Jahre für das Projekt und ein Jahr für die Vorbereitung. Ein klares Ziel beschleunigt den Ablauf deutlich. Entscheidend ist die Klarheit vor dem Projekt, nicht eine kürzere Projektlaufzeit.
Hinzu kommt ein Engpass, den Planung allein nicht verhindert. Sämtliche betroffenen Unternehmen migrieren innerhalb desselben Zeitfensters. Dadurch werden erfahrene Berater, Entwickler und Projektleiter knapp. Diese Knappheit beeinflusst Termine und Preise.
Damit gilt ein konkreter Zieltermin statt eines vagen „irgendwann bis 2030“: Spätestens Anfang 2027 sollte feststehen, was bis Ende 2028 stehen soll. Dazu gehören Gesamt-IT-Architektur, System und erster Schritt. Dieser kürzeste Abschnitt der Kette lässt sich in wenigen Wochen erarbeiten.
Viele stehen vor derselben Aufgabe und haben eine Chance
Der DSAG-Investitionsreport 2026 befragte vom 8. Dezember 2025 bis 21. Januar 2026 insgesamt 198 Teilnehmende aus Anwenderunternehmen. Demnach nutzen 54 Prozent weiterhin SAP ECC beziehungsweise die alte Business Suite. 2024 lag der Anteil bei 68 Prozent. Die Erhebung erlaubte Mehrfachnennungen. Ein Parallelbetrieb ist üblich.
Die Rangfolge der Hürden zeigt den Schwerpunkt. Wirtschaftlichkeit und wirtschaftliche Rahmenbedingungen liegen mit je 79 Prozent vorn. Mit 70 Prozent folgt die Lizenz- und Vertragsgestaltung. Das Wartungsende erreicht 63 Prozent. Zudem richten 62 Prozent ihre Investitionsplanung schwächer oder überhaupt nicht am Zielbild ihres Herstellers aus. Damit fehlt eher eine Begründung als die Machbarkeit.
Ein heutiger Start führt deshalb zu einem anderen Projekt als ein Beginn im Jahr 2025. Heute kann eine Folge kleinerer, aufeinander aufbauender Vorhaben den großen Monolithen ersetzen. Cloud-Bausteine und KI-Funktionen fügen sich in eine Architektur ein, die später erweitert werden kann. Unter dieser Voraussetzung hat auch eine spätere Entscheidung die vergangenen Monate sinnvoll genutzt.
Dahinter steckt ein anderes Vorgehen. Das Zielbild wird in Etappen umgesetzt: zuerst der Kern, danach Fachbereich für Fachbereich und Standort für Standort. Jede Etappe startet eigenständig, erzeugt Nutzen und verbessert die Annahmen für den nächsten Schritt. Die Wertschöpfung beginnt damit vor dem Abschluss eines mehrjährigen Programms. Auch das Risiko sinkt, denn einzelne Schritte lassen sich korrigieren. Bei einem Großprojekt ist das nicht möglich.
KI beschleunigt diesen Ansatz. Nach unserer Projekterfahrung benötigen Prozessaufnahme, Fit-Gap-Bewertung, Testfälle und Datenmigration heute weniger Vorbereitungszeit als in früheren Projekten. Im anschließenden Betrieb ergänzen Assistenzfunktionen die Möglichkeiten der alten Landschaft. Beide Effekte verkürzen gezielt die typischen zeitintensiven Abschnitte eines ERP-Projekts.
Dem realen Zeitdruck steht ein Startvorteil gegenüber. Unternehmen teilen das große Vorhaben in Etappen, erzielen früher Nutzen und beschleunigen die Arbeit mit KI. Diesen Vorteil erschließt nur eine bewusste und rechtzeitige Entscheidung.
Fünf Gründe für fehlende Planungssicherheit
Aus ihrer Projektarbeit seit 2002 kennt die ICB GmbH wiederkehrende Verzögerungsmuster. Fünf davon treten fast immer auf. Jedes hat nachvollziehbare Gründe.

1. SAP und Partner vermitteln keinen klaren Plan
Das Portfolio ändert sich schneller als die Planungszyklen der Kunden. Im Juli 2025 wurde aus RISE with SAP SAP Cloud ERP Private. Zugleich führte SAP eine neue SKU-Struktur ein. Ein 2024 bewertetes Angebot verwendet daher andere Bezeichnungen als heutige Angebote. Mit der Wartungsverlängerung hat SAP den Marktdruck reduziert und stellt eine dokumentierte Zielplattform bereit.
2. Bewertungs-Frameworks lenken die Entscheidung
Implementierungspartner arbeiten mit eigenen Bewertungs-Frameworks. Diese beantworten häufig schon „Private oder Public Edition“, bevor das Unternehmen die Frage selbst formuliert. Erkennbar ist das an Kriterien, die fehlen: Differenzierungsprozesse, Intercompany-Struktur und Eigenentwicklungen. Die Frameworks bündeln reale Projekterfahrung und sind nicht manipulativ. Ihre Bewertung richtet sich jedoch ausschließlich nach dem lieferbaren Portfolio.
3. Lift-and-Shift zeigt keinen klaren Nutzen
Plant das Unternehmen die Migration lediglich als technischen Umzug, bleiben die Prozesse unverändert. Die Kosten erhöhen sich dennoch.
„Ich habe meine alten Prozesse in einer neuen Lösung - und muss dann noch mehr Geld zahlen.“
Manuel Baum, Gründer und Geschäftsführer der ICB GmbH
Ein technischer Umstieg kann als Etappe Risiken reduzieren. Wird er dagegen als Ziel angeboten, trägt er keinen Business Case.
4. Das Kostenmodell wird strukturell teurer
Die gekauften ECC-Lizenzen sind abgeschrieben. Laufend berechnet SAP lediglich die Wartung, die jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst und bei fünf Prozent gedeckelt wird. Für die Cloud fällt dagegen eine Subscription an. Deshalb vergleicht man einen Modellwechsel, kein Preisschild. Aussagekräftig ist allein die Gesamtlaufzeit. Die Subscription deckt Betrieb, Updates und Infrastruktur ab. Auch im ECC-Betrieb entstehen diese Positionen, dort jedoch an anderen Budgetstellen.
5. Das Change Management birgt Risiken
Das größte Risiko erhält oft das kleinste Budget. Ein ERP-Wechsel verändert die Arbeit von Menschen, die ihr System seit zehn oder fünfzehn Jahren beherrschen. Bindet das Projekt die Key User erst zu Testbeginn ein, schlägt Überraschung in Widerstand um.
Jede der fünf Ursachen lässt sich mit einem gezielten Hebel angehen. Dafür braucht es kein Großprojekt. Eine kurze, strukturierte Analyse zeigt, welcher Ansatz zu Ihrer Situation passt. Wir prüfen das gerne gemeinsam mit Ihnen.
Spät gestartet, doch die Chance bleibt nutzbar
Unternehmen mit SAP ECC beginnen heute spät. Eine verlängerte Wartung mindert den unmittelbaren Druck, ersetzt jedoch keine Entscheidung. Trotz des Aufschlags von zwei Prozentpunkten bleibt die Unsicherheit bestehen. Lediglich die Frist verschiebt sich.
Zugleich bieten die technischen Möglichkeiten heute andere Optionen. Ein Start 2026 oder 2027 verlangt keinen großen Gesamtentwurf mehr, wie er 2025 noch erforderlich gewesen wäre. Stattdessen kann eine offene Architektur in kleineren Schritten entstehen.
Darin liegt die Chance eines späten Einstiegs. Das Unternehmen teilt das Gesamtvorhaben in Etappen. Jede Etappe startet und amortisiert sich früher. KI beschleunigt die Vorbereitung sowie den späteren Betrieb. So erzeugt ein verpflichtender Termin bereits ab dem ersten Schritt einen messbaren Wert. Dafür muss die Planung jetzt beginnen.
Ihre kostenlose ERP-Analyse in ein bis zwei Werktagen
Sechs Schritte dauern acht bis zehn Minuten, eine Anmeldung entfällt. Sie erhalten eine herstellerneutrale Systemvorauswahl, DSGVO-konform auf EU-Servern verarbeitet. ERP-Hersteller erhalten keine Daten. Kostenlose ERP-Analyse beginnen.
Für ein direktes Gespräch klären wir im Termin zur ERP-Beratung Fristen, Vertragslage und den realistischen Zeithorizont Ihrer Landschaft.
Quellennachweise
- Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG): DSAG-Investitionsreport 2026. Die Pressemitteilung erschien am 26. Februar 2026. Die Erhebung lief vom 8. Dezember 2025 bis 21. Januar 2026 und umfasste 198 Teilnehmende.
- SAP SE: SAP Support Strategy - Commitments & Extension Programs. Die Quelle nennt die Wartungsfristen für SAP ERP 6.0 und die Enhancement Packages 6 bis 8. Sie beschreibt außerdem die Preisanpassung der Wartung über den Verbraucherpreisindex und ihre Deckelung bei fünf Prozent.
- SAP SE: Im Juli 2025 änderte SAP Portfolio und Namen. RISE with SAP wurde zu SAP Cloud ERP Private. Zudem kam eine neue SKU-Struktur hinzu. Quelle: news.sap.com.
- Projekterfahrung der ICB GmbH aus ERP-Projekten seit 2002. Projektdauern und Zeitfenster sind Erfahrungswerte und keine erhobenen Größen.
Die ICB GmbH berät zu Management und Technologie an den Standorten München und Gütersloh. Quellen belegen die genannten Kennzahlen Dritter. Das Titelbild wurde mit KI erzeugt. Die drei Übersichtsgrafiken stammen aus eigener Darstellung.




